Handlungsempfehlung

Ausgehend von der guten Struktur, den analysierten Problemen und den nötigen Koordinierungsbedarf schlagen die VerfasserInnen folgende Handlungsperspektive vor, die trotz eingeschränkter finanzieller Ressourcen umgesetzt werden kann.

Zuerst bleibt jedoch festzuhalten, dass Hamm keine zusätzliche Parallelstruktur benötigt. Sowohl eine eigene kommunale Opferberatungsstelle als auch eine reine Beratungsstelle gegen Rechts, sind mit Blick auf die noch ungenutzten Potenziale nicht nötig.

 

6.1 Koordinierungsstelle gegen Rechtsradikalismus

Es wird eine unabhängige Stelle geschaffen, die als Koordinierung aller vorhandenen Strukturen fungiert, Werbung, Beratung und Weitervermittlung vornimmt und die überregionalen Netzwerke und Kontakte pflegt. Über eine zentrale Telefonnummer und E-Mail-Adresse ist die Koordinierungsstelle direkter Ansprechpartner bei Problemen. Die Koordinierungsstelle wird durch die Stadt Hamm getragen, agiert jedoch autonom und souverän.

  • Prävention und Angebotswerbung
  • Die Koordinierungsstelle ist im stetigen Kontakt mit den Hammer Schulen und sorgt dafür, dass die vielfältigen Angebote (s.o.) genutzt und abgefragt werden. Ziel ist es, dass jedeR Hammer SchülerIn mindestens einmal in der Schullaufbahn an einem themenbezogenen Angebot außerhalb des Lehrplans teilnimmt. Die Angebote fließen ebenfalls stärker in den Katalog der Jugendzentren ein. Alle  angebotenen Veranstaltungen, Termine und Ausstellungen die in der Stadt Hamm stattfinden, werden in der Koordinierungsstelle gesammelt und regelmäßig im Internet, auf eigenen Plakaten und städtische bzw. stadtnahen Werbemöglichkeiten veröffentlicht. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine Vorauswahl die Angebotsübersicht schmälert.
  • Vermittlung, Beratung und Einrichtung einer Verweisstruktur
  • Auflaufende Meldungen von Eltern, Verwandten, Jugendamt, Erziehungshilfen und Schulen werden in der Koordinierungsstelle neben dem üblichen Verfahren gesammelt und beobachtet. Gegebenenfalls sucht die Koordinierungsstelle Kontakt mit den zuständigen MitarbeiterInnen und KlientInnen. Es wird eine Verweisstruktur geschaffen, um an spezialisierte Beratungsangebote (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, Opferberatung, Beratungsnetzwerk für Eltern rechtsextrem orientierter Jugendlicher, Aussteigerprogramme) zu vermitteln. Die Koordinierungsstelle verweist auch an die bestehenden Regelstrukturen (Erziehungshilfen, Suchtberatung, therapeutische Beratungsstellen etc.). Kurze Beratungen können, sofern die notwendige Fachkompetenz vorhanden ist, vor Ort vorgenommen werden.
  • Informationssammlung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Die regelmäßig erscheinenden Schriften und Veröffentlichungen werden zentral gesammelt und zur Verfügung gestellt. Berichte über Hamm und die Region werden besonders hervorgehoben und den Aktiven gegen Rechtsradikalismus in Hamm kommuniziert. Die Stadtverwaltung und Gremien werden über die Entwicklung des Rechtsradikalismus informiert. Die überregionalen Angebote der Mobilen Beratung, der Opferberatung, der Aussteigerinitiativen und weitere Informationsmöglichkeiten werden immer wieder beworben.
  • Unterstützung der lokalen Strukturen
  • Die Koordinierungsstelle nimmt an den Sitzungen des Runden Tisches teil und übernimmt dort administrative und organisatorische Aufgaben. Die Stelle betreut die Präsentation des Runden Tisches auf der Internetseite der Stadt Hamm und ist im stetigen Kontakt mit allen Gruppen und Initiativen vor Ort, wie dem haekelclub. Zur Unterstützung von konkreten Projekten, erhält die Koordinierungsstelle einen eigenen Etat.
  • Netzwerk & Überregionale Vertretung
  • Die Koordinierungsstelle vertritt Hamm in überregionalen Arbeitsgruppen, wie dem AK Ruhr und hält den Kontakt zur Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg und zu KollegInnen in den umliegenden Städten.

 

 

6.2 Weitere Maßnahmen

Neben der Koordinierungsstelle gibt es weitere Möglichkeiten, wie die Gefahr des Rechtsradikalismus weiter eingedämmt werden kann. Diese sind meistens ohne zusätzliche Kosten zu bekommen oder können bei gegebenen finanziellen Ressourcen wieder ermöglicht werden.

  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Die aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit (Streetworker) wird wieder aufgenommen. Die Kontakte zu Schulen, vor allem im Ganztagsschulbetrieb werden weiter ausgebaut. Gemeinsam mit dem Stadtjugendring werden für die Mitgliedsverbände themenspezifische Angebote geschaffen und die Mitglieder für das Thema sensibilisiert.
  • Migrations- und Integrationsarbeit
  • Die „einheimische“ Bevölkerung wird weiter verstärkt mit Menschen mit Migrationshintergrund in Verbindung gebracht, um Vorurteile und vor allem islamophobe Einstellung entgegenzuwirken. Der Segregation im Städtebau wird entgegengewirkt.
  • Offenheit
  • Die Stadt Hamm erkennt das Problem des Rechtsradikalismus in Hamm an. Der Sorge eines Imageverlustes wird durch die Stärkung einer weltoffenen Stadt, die sich unentwegt gegen Rechtsradikalismus stellt, irrelevant.
  • Opferberatung vor Ort
  • Die Stadt Hamm unterstützt die Opferberatungsstelle BACK UP und die Errichtung des Trägervereins (Kompetenzzentrum Westfalen).
  • Rückhalt für die mobile Beratung
  • Die Stadt Hamm setzt sich gegenüber dem Bund und dem Land NRW für die Beibehaltung und Weiterförderung der überregionalen Beratungs- und Unterstützungsangebote zum Thema Rechtsextremismus ein.
  • Runde Tische in den Stadtbezirken ermöglichen
  • Die Stadt Hamm unterstützt die Bildung von Runden Tischen in den Stadtbezirken, wenn dort (bspw. in Heessen) Interesse und Notwendigkeit besteht. Ziel muss dabei eine enge Kooperation und Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch gegen Radikalismus und Gewalt auf gesamtstädtischer Ebene sein.
  • Infoheft für Jugendliche
  • In Kooperation mit dem Runden Tisch gegen Radikalismus und Gewalt und dem haekelclub 590 wird ein Infoheft für Jugendliche über Rechtsradikalismus, Auftreten und die Wirkung in Hamm veröffentlicht.
  • Direkte Ansprache in der Gastronomie
  • Gastronomen, die Neonazis dulden und akzeptieren, wird durch die Stadt Hamm unmissverständlich die Konsequenzen erklärt und ggf. jedwede Zusammenarbeit und Kontakt über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus abgebrochen. Die Stadt Hamm unterstützt die Kampagne „Kein Bier für Nazis“. GastwirtInnen und VermieterInnen werden über die Gefahr rechtsradikaler Veranstaltungen und über Handlungsstrategien informiert. Ziel ist, dass diese deutlich Stellung gegen Rechtsradikalismus beziehen und rechtsradikale Versammlungen verunmöglichen. Dabei müssen sie sich der Unterstützung der Stadt Hamm sicher sein können.
  • Rückhalt für Vermieter
  • Nachdem schon die Kameradschaft Hamm eigene Räumlichkeiten angemietet hatte ist auch die daraus nachfolgende Partei „Die Rechte“ auf der Suche nach einer eigenen Lokalität. Die Stadt Hamm informiert mögliche Vermieter über das Risiko rechtsradikaler Interessenten und informiert und unterstützt betroffene Vermieter.
  • Keine Duldung von Rechtsradikalismus
  • Sind in Vereinen oder Organisationen Naziaktivitäten festzustellen, unterstützt die Stadt Hamm, ggf. in Zusammenarbeit mit der Mobilen Beratung, den Verein beim Umgang und der Lösung des Problems (Thematisierung, Ausstiegshilfe, Ausschluss des Mitgliedes). Wo Rechtsradikalismus bewusst geduldet wird (auch bei Aktivitäten der Grauen Wölfe) wird die Stadt Hamm die Zusammenarbeit einstellen. Den lokalen Parteien und Gruppen wird nahe gelegt, rechtsradikale Mitglieder (Stammtischparolen, ADÜTDF-Mitglieder) entgegenzuwirken und ihnen keine Plattform zu bieten.
  • Stadtverwaltung geht mit guten Beispiel voran
  • Als größter Arbeitgeber in Hamm organisiert die Stadt Hamm regelmäßige Fortbildungs- und Austauschangebote zum Thema Rechtsradikalismus und rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft für die eigenen MitarbeiterInnen.
  • Mülltonnen gegen Schulverteilung
  • In Kooperation mit der ASH erhält jede Schule eine Mülltonne mit durchgestrichenen Hakenkreuz, die bei einer Schulverteilung der rechten Szene herausgeholt und für die Beseitigung der Schulhof-CDs und Materialien den SchülerInnen zur Verfügung gestellt wird.