Überregionale Vernetzung

Die rechtsradikale Szene im östlichen Ruhrgebiet gehört zu den aktivsten in ganz Westdeutschland. Dabei kennen die Neonazis keine Stadtgrenzen. So darf auch die Arbeit gegen Rechtsradikalismus nicht an der Stadtgrenze halt machen. Hamm ist dabei in einem engen Netzwerk eingebunden und kann auf Expertise und Erfahrungen anderer Städte zurückgreifen.

4.1 Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus

Die durch ein Bundesprogramm geförderte Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus unterstützt seit 2008 Menschen, die in ihrem Wohn-, Arbeits- oder sozialen Umfeld mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus konfrontiert sind und sich für die Stärkung demokratischer Kultur einsetzen wollen. Die Beratung wird von Initiativen und Bündnissen, Vereinen und Verbänden, Kommunalverwaltungen und Behörden sowie Unternehmen in Anspruch genommen. Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg hält engen und stetigen Kontakt zu den Akteuren in Hamm. So nimmt ein Vertreter an den Sitzungen des Runden Tisches teil, hält Kontakt zur Stadt Hamm, zum haekelclub und zum Staatsschutz und fördert so den Austausch und den Einblick in aktuelle Tendenzen. Durch die Trägerschaft der Mobilen Beratung im RB Arnsberg durch die Evangelische Kirche von Westfalen und die Gewaltakademie Villigst werden so auch Weiterbildungsangebote weitergetragen. Darüber hinaus ist die Mobile Beratung auch mit den Beratungsstellen der anderen Regierungsbezirke vernetzt und kann so auch übergreifende Tendenzen und bestehende Kontakte der rechten Szene nachvollziehen und aufarbeiten.

 

4.2 Opferberatungsstelle BACK UP

Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt ist zwar in Dortmund ansässig, ist jedoch seit Ende 2011 aufsuchend in ganz Westfalen tätig. Auch Opfer aus Hamm (teilweise in Gewaltdelikten) wurden durch die Beratungsstelle betreut. BACK UP bietet unabhängig und unentgeltlich einen sicheren Raum für Opfer, um über die Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen und unterstützt bei juristischen Fragen und Kontakt zu Behörden und Gerichten sowie bei der Weitervermittlung therapeutischer Hilfen.

Die Bekanntheit dieses Angebotes in Hamm ist jedoch noch sehr gering und muss weiter ausgebaut werden. In näherer Zukunft soll ein unparteiischer Trägerverein der Opferberatung in Hamm gegründet werden.

 

4.3 Aussteigerinitiativen

In NRW existieren verschiedene Projekte, die ausstiegswilligen Neonazis beim Ausstieg aus der Szene helfen. Über die größten Erfahrungen mit der Ausstiegsarbeit verfügt der bundesweit tätige unabhängige Träger EXIT. Für die Region Ruhr-Emscher ist zudem das Projekt NinA (Neue Wege in Ausbildung und Arbeit) ansprechbar, das bei einem Freien Träger für arbeitsmarktorientierte Angebote angesiedelt ist. Voraussetzung für die Teilnahme an den Ausstiegsprogrammen ist der Nachweis einer glaubwürdigen Eigenmotiviation der Ausstiegswilligen mit der rechtsradikalen Szene und den vertretenen ideologischen Positionen zu brechen.

Darüber hinaus bietet auch der Verfassungsschutz NRW ein Ausstiegsprogramm an („HelpLine – Aktiv gegen Rechts“). In anderen Städten in NRW werden Ausstiegswillige auch durch das lokale Jugendamt begleitet und unterstützt. Die Bekanntheit der Angebote ist in Hamm sowohl bei kommunalen Ansprechpartnern als auch innerhalb der Szene nicht ausreichend bekannt. Klare Ausstiegsbemühungen aus der Hammer Szene sind (auch daher) sehr selten.

 

4.4 Arbeitskreis Ruhr

Hamm ist Mitglied im AK Ruhr, in dem sich die Jugendämter verschiedener Ruhrgebietsstädte vernetzten und sich in regelmäßigen Sitzungen und Fachtagungen zum Thema Rechtsextremismus austauschen. Die Vertretung der Stadt wird seit ca. 10 Jahren jedoch nicht mehr wahrgenommen.

 

4.5 Beratung und Dokumentation

Landesweit gibt es mehrere Informations- und Dokumentationsmöglichkeiten. Zu nennen sind hier die Zentralen für politische Bildung, der Verein IDA (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit) und die verschiedenen Dokumentationszentren (bspw. Villa ten Hompel oder das NS-Dokumentationszentrum Köln). Die Angebote und vielfältigen Informationsmöglichkeiten werden in Hamm nur selten genutzt.

 

4.6 Antifaschistische Initiativen

Der Kontakt zu mehreren antifaschistischen Initiativen in anderen Städten (z.B. Kreis Unna, Münster, Ruhrgebiet) wird in Hamm aufrecht erhalten. Da Hammer Neonazis großen Einfluss auf andere Städte nehmen (s.o.), ist das Know-How und die Erfahrungen über die lokale Szene für andere Städte hilfreich und nützlich. Darüberhinaus werden bei Demonstrationen und Kundgebungen gemeinsam und städteübergreifend Zeichen gesetzt.