Pressemtitteilung zum Neonazikonzert am 27. Januar 2018

Hier findet Ihr unsere gestern verschickte Pressemitteilung mit Informationen zur Band “Sturmwehr”.

Bei dem für den 27. Januar 2018 im „Nationalen Zentrum“ im Kentroper Weg 18 in Hamm angekündigten Rechtsrock-Konzert soll als Hauptact die Band „Sturmwehr“ auftreten. Der „haekelclub590“ weist daraufhin, dass „Sturmwehr“ neben zahlreichen die Wehrmacht und den Nationalsozialismus verherrlichenden Liedern auch antisemitische Songs im Repertoire hat. Nach Ansicht der Jugendbündnisses ist der Konzerttermin nicht zufällig gewählt worden: Am 27. Januar jährt sich die Befreiuung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Seit 1996 ist der 27. Januar ein gesetzlich verankerter „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, den der Deutsche Bundestag mit einer Gedenkveranstaltung begeht. In ganz Deutschland wird in zahlreichen Veranstaltungen der Opfer des Massenmordes gedacht.

Die Band „Sturmwehr“ leugnet den Holocaust, den sie als „Lüge der internationalen Hochfinanz“ bezeichnet. Der Begriff der „internationalen Hochfinanz“ ist eine Chiffre und bezeichnet in der antisemitischen Weltsicht eine angebliche jüdische Weltverschwörung bzw. Weltregierung. Im Titelsong ihres 2016 veröffentlichten Albums „Büßersyndrom“ ist zudem die Rede von einer angeblichen „Geschichtsschreibung der Siegermächte, eine jahrzehntelange Manipulation“ und „höchst profitable Propagandamasche“. Die Bundesrepublik wird von der Band „als Land der Maulkorbgesetze“ bezeichnet, in der „die Wahrheit schnell zum Vergehen“ werde. [1] Die Band bezieht sich hier auf den §130 III StGB, der die Leugnung des Holocaust unter Strafe stellt. Das Cover der erwähnten CD verwendet eine offen antisemitische Bildsprache.[2] Es zeigt drei orthodoxe Juden im Berliner Holocaust-Mahnmal, über vom Himmel über ihnen regnen Dollar-Scheine herab. Im Vordergrund sind loderne Flammen abgebildet, auch dies ist als Verweis auf den nationalsozialistischen Massenmord an den Jüdinnen und Juden Europas zu interpretieren, da sich das Wort Holocaust vom griechischen Begriff für „Brandopfer“ ableitet. Die Nazis verbrannten ihre ermordeten Opfer in den Krematorien der Vernichtungslager.

„Es ist unerträglich, dass Neonazi-Bands am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Hamm den Holocaust leugnen, antisemitische Hetze verbreiten und das verbrecherische Regime der Nazis verherrlichen dürfen“, so Johannes Albrecht, Sprecher des „haekelclub590“. Der Bundestag habe erst kürzlich klar gegen Antisemitismus ausgesprochen und einen Antisemitismusbeauftragten eingerichtet. Die neuen gesetzlichen Regelungen waren als Reaktion auf antisemitische Hetze bei antiisraelischen Demonstrationen erlassen worden und beinhalten auch die aus Sicht des haekelclub590 fragwürdige Regelung, dass Ausländer künftig wegen antisemitischer Propaganda abgeschoben werden dürfen. „Leider entsteht so der Eindruck, dass Antisemitismus zuvorderst ein Problem von Zuwanderern sei. Das ist aber nicht der Fall, er ist in der deutschen Gesellschaft leider weit verbreitet. Was gedenken die Stadtverwaltung und die Polizei gegen die antisemitische Hetze der Nazis am 27. Januar zu unternehmen?“, fragt Albrecht.

Das antifaschistische Jugendbündnis fordert seit geraumer Zeit, dass Stadtverwaltung und Polizei alle rechtliche Möglichkeiten ausschöpfen soll, um den Neonazi-Treffpunkt im Kentroper Weg zu schließen bzw. dortige Rechtsrock-Konzerte zu verunmöglichen. Bei dem Konzert am 27. Januar handelt es sich nach Auffassung des haekelclub nicht um eine private sondern eine kommerzielle Veranstaltung. Im Internet schreiben beteiligte Neonazis offen, dass es eine „Abendkasse“ gebe. [3]

Der „haekelclub590“ befürchtet zudem, dass es bei der Musikveranstaltung zu Straftaten nach §§130 und 85a StGB kommt. Sieben CD-Veröffentlichungen von „Sturmwehr“ sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als jugendgefährdend indiziert worden. Spielt die Band Songs dieser Alben verstößt sie gegen das Jugendschutzgesetz.

Die Band „Sturmwehr“ existiert seit 1993 und ist in der Neonazi-Szene sehr beliebt. Sie hat zahlreiche Alben veröffentlicht. Bandleader ist der Gelsenkirchener Neonazi Jens Brucherseifer. Seit einiger Zeit wird er von den Hammer Neonazis Martin Böhne (Gitarre) und Patrick Gerstenberger (Schlagzeug) unterstützt. „Sturmwehr“ tritt live in Bandbesetzung sowie als Liedermacher-Duo auf. Am 27. Januar 2018 werden Martin Böhne und Jens Brucherseifer als Liedermacherduo in Hamm auftreten. Im November 2016 trat „Sturmwehr“ schon einmal in Hamm auf.

Dagegen geht der „haekelclub590“ unter dem Motto „Gegen Rechtsrock und NS-Verherrlichung am Shoah-Gedenktag“ auf die Straße.

27. Januar 2018
Treffpunkt zur gemeinsamen Anreise: 18.30 Bahnhof Hamm/Willy-Brandt-Platz Hamm (Westf.)
Kundgebung: 19 Uhr Wendehammer Kentroper Weg

[1] Sturmwehr: Büßersyndrom, auf der gleichnamigen CD (2016, Label: „Das Zeughaus), online: https://www.youtube.com/watch?v=gksjEE4oMDY (Min. 13:49 – 18:06)

[2] Siehe Cover der CD (Youtube Link)

[3] Beleg liegt vor und kann bei Bedarf eingesehen werden

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