haekelclub590 unterstützt “Kein Gedenken an Nazis!”

Hiermit möchten wir unsere Solidarität mit der Entfernung des Porträts von Erich Deter aus dem Hammer Rathaus ausdrücken. Auch wir sind der Meinung, dass ein Gedenken an Nazis in Hamm keinen Platz haben sollte. Den Vorschlag einer Gedenktafel anstelle des Porträts begrüßen wir!

Hier das Statement der Gruppe “kritisches Gedenken Hamm”(Mail an uns vom 8.2.17):

“Letzten Donnerstag entfernten wir das Bild Erich Deters aus dem Hammer Rathaus. Dies taten wir aus zwei Gründen: Zunächst ist es für uns nicht hinnehmbar, das Porträt eines Nazi unkommentiert im Rathaus hängen zu haben. Im besten Fall, der nun scheinbar eingetreten ist, wollten wir eine öffentlich Thematisierung dieses Umstands erreichen.
Der Westfälische Anzeiger berichtete am 3.2. von unserer Aktion, dazu wollen wir nun Stellung beziehen.

Wir wollen zunächst einmal den Vorwurf zurückweisen, wir würden Geschichtsfälschung betreiben. Wir möchten anstelle des Porträts Deters keine weiße Wand vorfinden. Die nationalsozialistische Geschichte der Stadt Hamm muss aufgearbeitet werden. Dazu gehört auch die Geschichte Erich Deters, dem Einiges anzulasten ist. Beispielsweise verkündete Deter bereits im März 1933, als er noch NSDAP-Kreisleiter war, vor dem Stadtparlament, „seine Partei werde mit den Juden abrechnen“.(1)
Dies bestätigte sich auch mit dem Handeln der Hammer Nationalsozialist*innen kurz nach der Machtübernahme: jüdische Kaufleute wurden drangsaliert, die zwei Geschäftsmänner Lauter und Goldschmied wurden festgenommen und aufgefordert, ihre Geschäfte aufzugeben. Zudem wurde zum Boykott aller jüdischen Geschäfte aufgerufen.(2) Das alles geschah schon 1933, mit Erich Deter als Oberbürgermeister.
Aktuell hängt Deter völlig unkommentiert, als wäre er einfach nur einer von vielen Oberbürgermeistern gewesen. War er jedoch nicht: Ab Januar 1935, mit dem Erlass der Deutschen Gemeindeordnung, waren Wahlen nicht mehr vorgesehen und für Städte wurde ein Führerprinzip eingeführt, welches er als so gesehener „Führer“ der Stadt Hamm ausführte.(3)
Damit ist er direkt für die Verbrechen an unzähligen Menschen durch die Nationalsozialisten in Hamm verantwortlich. Dazu zählen die Vertreibung und das Drängen zur Flucht von ca. 200 Hammer Jüd*innen, die Arisierung unzähliger Geschäfte, die gewaltsame Pogromnacht am 09.11.1938, sowie die Deportation und anschließende Tötung von mindestens 148 namentlich bekannten Menschen jüdischen Glaubens aus Hamm in Konzentrations- und Vernichtungslager.(1,4)
Diese Informationen zu Deter sind nicht das Ergebnis einer ausgiebigen historischen Aufarbeitung und doch zeichnen sie das Bild eines überzeugten Antisemiten und Nazis. Genau das fordern wir ein: Die Geschichte des OBs von 1933 bis 1945 muss ganzheitlich aufgearbeitet und transparent behandelt werden. Wir können uns etwa eine Informations- und Gedenktafel an Stelle des Porträts gut vorstellen.
Wie bereits ausgeführt, möchten wir die Geschichte nicht verfälschen. Eine verfälschte Erinnerung sehen wir schon dort, wo einem Nazi gedacht, und seine Geschichte nicht kritisch aufgearbeitet wird.

An dieser Stelle möchten wir einen weiteren Artikel aus dem Westfälischen Anzeiger vom 3.2. mit dem Titel “Gegen das Vergessen” aufgreifen: Carsten Grüneberg (Grüne Hamm) fordert darin ein Erinnerungsdenkmal für Opfer des NS-Regimes. Wir halten diesen Vorschlag für sehr unterstützenswert. Was er für Herringen fordert, sollte es für uns in jedem Hammer Stadtteil geben. Hamm war nationalsozialistisch und schuldet seinen Opfern eine angemessene Erinnerungskultur.

Mit freundlichen Grüßen
Kritisches Gedenken Hamm

Quellen:
(1): BRAND, M., (1991): Juden in Hamm. http://www.hammwiki.de/wiki/Juden_in_Hamm
(2): BEECK, A., (2007): Hamm unterm Hakenkreuz 1930-1945. Westfälischer Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 1. Auflage, Hamm, Seite 41
(3): BEECK, A., (2007): Hamm unterm Hakenkreuz 1930-1945. Westfälischer Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 1. Auflage, Hamm, Seite 97
(4): BEECK, A., (2007): Hamm unterm Hakenkreuz 1930-1945. Westfälischer Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 1. Auflage, Hamm, Seite 119″

zum Hintergrund:

https://linksunten.indymedia.org/de/node/202298

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