Anwohnende an Nazitreffpunkt informiert

In der Nacht auf heute, den 27.9., verteilten wir mehrere hundert Flyer in der Umgebung des Nazitreffpunkts am Kentroper Weg 18. Der Treffpunkt besteht nun schon seit fast 4 Jahren, einigen Anwohnenden war dies aber gar nicht klar. Nun wissen viele von ihnen um ihre menschenverachtenden Nachbar*innen. Hier der Flyertext:

Liebe Anwohner*innen,

in Ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich das sogenannte „nationale Zentrum“ der Hammer Naziszene. Die Hinterhofräumlichkeiten am Kentroperweg 18 werden seit dem Jahr 2013 von lokalen Rechtsextremist*innen in Anspruch genommen. Diese nutzen die Räumlichkeiten regelmäßig, sowohl für halb-private Feierlichkeiten als auch als rechten Veranstaltungsraum. Die Lokalität ist ein beliebter Anlaufpunkt für Nazis aus der Region und darüber hinaus. So wurden am Kentroper Weg bereits mehrfach Vorträge mit Geschichtsrevisionist*innen und Holocaust-Leugner*innen wie Udo Walendy, Ursula Haverbeck und Ernst Zündel, sowie ehemaligen SS-Männern organisiert. Darüber hinaus bestehen gute Kontakte zur NPD – Udo Voigt etwa durfte bereits in Hamm referieren.
Wohl aufgrund der Kontakte zweier Hammer Musiker, die bei Sleipnir (einer europaweit bekannten Rechtsrock-Band) spielen, finden „im Kentroper Weg“ auch regelmäßig Rechtsrock-Konzerte statt. Während des Kommunalwahlkampfs 2014 diente die Lokalität zudem als Wahlkampfzentrale.
Dass gewalttätige Nazis über einen Rückzugsort in Hamm verfügen, halten wir für sehr problematisch. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass all diejenigen, die nicht in das Weltbild der Nazis zu passen scheinen, ein potenzielles Angriffsziel darstellen. So gab es in den letzten Jahren bereits im Innenstadtraum, aber auch aus den Räumlichkeiten am Kentroperweg selbst heraus Angriffe auf vermeintlich linke Jugendliche. Darüber hinaus wurde in der unmittelbaren Nähe eine Gruppe von Geflüchteten mit einer Pistole verfolgt. Auch das aggressive Auftreten gegenüber missliebigen Nachbar*innen finden wir besorgniserregend – bereits mehrfach sind diese angegangen und bedroht worden. Selbst vor Jugendlichen machen die lokalen Rechten keinen Halt: Nachdem ein Schüler der Friedensschule angeblich ein Wahlkampfplakat von „Die Rechte“ abgerissen hatten, wurde er von bewaffneten Mitgliedern der Partei angegriffen, die ihn bis zum Eintreffen der Polizei in den Schwitzkasten nahmen. Der Jugendliche hatte zwischenzeitlich Angst zu ersticken.

Wir möchten Sie hiermit daraufaufmerksam machen, dass es sich bei den Räumlichkeiten nicht um ein harmloses Vereinsheim handelt, sondern die Extreme Rechte aus Hamm und der näheren Umgebung hier einen Anlaufpunkt für die Szene schafft, um ihr rechtes Gedankengut miteinander zu teilen und zu verbreiten.

Am 3. Oktober veranstalten wir eine Demonstration unter dem Motto “Schluss mit dem Nazischeiss!”, mit der wir uns unter anderem gegen die Hammer Nazis richten. Wir würden uns freuen, wenn Sie an dieser Demonstration teilnehmen würden, um mit uns zusammen ein Zeichen zu setzen. Treffpunkt ist der Willy-Brandt-Platz, um 11 Uhr.

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