HAM: Diskriminierender Werbung muss widersprochen werden!

Am 25.April 2016 strahlte das Lokalradio „LippeWelle Hamm“ einen Beitrag mit dem Titel „Lustige Werbung oder eher daneben?“ zu einem „Fundstück“ aus Hamm aus. Es handelte sich um die Werbung der Bäckerei Hake aus Hamm, in der Schokoküsse beworben werden sollten, indem die Bäckerei diese als „Schaumwaffeln mit Migrationshintergrund“ bezeichnete. Zusätzlich wurde auf das Lied „10 kleine N********“ angespielt mit ihrer Umdichtung „10 kleine Schaumwaffeln mit Migrationshintergrund woll’n in die Schachtel rein, da ham‘ sie nicht gut nachgezählt, denn zwölfe passen rein“. Auf der Verpackungsschachtel sind kleine Schokoküsse mit dicken roten Lippen und großen runden Augen abgebildet. Dieses Bild greift auf eine langjährige rassistische Tradition zurück, indem alte koloniale Stereotype reproduziert werden – das ist nicht hinzunehmen! Wir finden es unverantwortlich, vermeintlich humorvoll-provokative Mittel für die Bewerbung von Waren zu nutzen und fordern journalistische Instanzen dazu auf einen kritischen Umgang damit zu finden. In der Debatte zur herrschaftskritischen Sprache, in die auch die Umbenennung von Lebensmitteln auf Grund von diskriminierenden Bezeichnungen fällt, wird immer wieder die Position der weißen Mehrheitsgesellschaft als Norm vertreten und eine sich selbst zugesprochene Deutungshoheit beansprucht. Das Selbstbestimmungsrecht von schwarzen Menschen und von People of Colour wird in diesem Diskurs häufig nicht berücksichtigt. Ihnen wird aberkannt selbst zu bestimmen, wie sie genannt oder eben nicht genannt werden möchten. Beispiele wie dieses zeigen auf, dass immer wieder Gelegenheiten dazu genutzt werden, einen sensiblen Umgang mit Sprache und ein Mitdenken von Machtverhältnissen zu verhöhnen und zu verspotten. Wir können darüber nicht lachen.
Aufgrund der unkritischen Übernahme der Werbung und der Bühne, die solchem Gedankengut damit geboten wurde, wurde bei Radio LippeWelle Beschwerde eingereicht. Ein Beschwerdebrief an Bäckerei Hake wurde selbstverständlich auch versendet.

Als Reaktion auf die Beschwerde, meldete sich Chefredakteur Gerd Heistermann telefonisch, um über den Beitrag zu sprechen. In diesem Gespräch räumte er ein, dass der Umgang mit dem Thema zu leichtfertig und undifferenziert stattfand. Er versuchte deutlich zu machen, dass diese Darstellung weder seine, noch die Meinung des Senders widerspiegle, sondern lediglich eine – nicht reflektierte – Wiedergabe dieser Werbung sein sollte. Des Weiteren räumte Herr Heistermann ein, das Bild nicht kontrolliert zu haben und in diesem Zuge die Verbreitung eines von rassistischen Stereotypen geprägten Bildes vom Sender nicht verhindert zu haben. Er zeigte sich persönlich sehr betroffen und betonte, dass dieses Gespräch ihn zum Nachdenken angeregt und ihm die geschichtliche Verantwortung für solche Themen vor Augen geführt habe.
Zu einer Gegendarstellung durch den Sender hatte Herr Heistermann leider nichts Konkretes zu sagen. Auch auf die Bitte hin, die LippeWelle möge eine Gegendarstellung senden und auf Facebook den Post differenzierter darstellen, war die Reaktion sehr vage.

Es bleibt zu hoffen, dass die LippeWelle sich noch klar zu ihrer unangebrachten Berichterstattung positionieren und aus diesem Vorfall Konsequenzen ziehen wird.

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